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„f-cell“: Siebtes Brennstoffzellen-Forum in Stuttgart

20.07.2011 – Angesichts von Klimawandel und Ölknappheit rücken Energie-Alternativen in den öffentlichen Blickpunkt. Das Brennstoffzellen-Branchenforum „f-cell“, das jährlich in Stuttgart Kongress und Messe vereint, legt dieses Jahr am 24. und 25. September den Fokus auf die mobilen Anwendungen des mit Wasserstoff betriebenen Energiewandlers. Zwischen 2012 und 2015 sollen die ersten marktreifen Brennstoffzellen-Autos auf den Straßen rollen. Neben Deutschland wird die Entwicklung auch in anderen Ländern, wie Japan und Kanada, mit Hochdruck vorangetrieben. Die „f-cell“ zeigt den Stand der Dinge in allen drei Anwendungsfeldern, der mobilen Nutzung – das diesjährige Schwerpunktthema – und im stationären sowie portablen Bereich und verleiht wieder die mit insgesamt 25.000 Euro dotierten „f-cell“-Awards.

Stuttgart (eos) – Das Brennstoffzellen-Branchenforum „f-cell“ – am 24. und 25. September 2007 zum siebten Mal in Stuttgart – ist längst zu einer Institution der Wasserstoff- und Brennstoffzellenwirtschaft geworden. 56 Vorträge aus Wissenschaft und Praxis, in zehn Themenforen gegliedert, sowie eine umfangreiche Messe machen den jährlichen Branchentreff aus. Dieses Jahr stellt die „f-cell“, die die gesamte Bandbreite der Brennstoffzellen-Anwendungen präsentiert, die mobile Nutzung in Autos oder Flugzeugen in den Fokus. Die Veranstalter, die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) und die Peter Sauber Agentur Messen und Kongresse GmbH, kooperieren mit der DaimlerChrysler AG sowie mit dem Umweltministerium Baden-Württemberg und können auch 2007 wieder rund 600 internationale Fach- und Führungskräfte aus 18 Ländern zur „fcell“ begrüßen.

Thema ist aktuell

Die große Resonanz und ein zunehmendes öffentliches Interesse haben auch mit der Aktualität des Themas zu tun. So macht Professor Dr. Hartmut Graßl, ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg und Vorsitzender des bayerischen Klimarates, auf der „f-cell“ noch einmal deutlich, dass eine grundsätzliche Neuordnung der Energieversorgung unabdingbar ist. „Die absehbare Ölknappheit wird dazu führen, Alternativen früher rentabel zu machen“, sagt er. „Saubere Technologien, wie zum Beispiel die Brennstoffzelle, haben dann plötzlich einen Markt und Länder mit solchem Umwelttechnik-Know-how die Nase vorn. Wir sind da in Deutschland ganz gut aufgestellt.“

Brennstoffzellen-Region Stuttgart

Das kann Gastgeber Dr. Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS), bestätigen. Er nutzt die „f-cell“, um das Profil der Region als bedeutsamem Forschungs- und Entwicklungsstandort für Brennstoffzellen zu schärfen: „Die Region Stuttgart und das Land Baden-Württemberg verfügen über eine tragfähige solide Basis an Unternehmen, außerdem finden sich hier renommierte Forschungseinrichtungen und ein regionales Kompetenzzentrum, die sich mit Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik beschäftigen und über geballtes Know-how verfügen. Die ‘f-cell’ zeigt, dass die Region Stuttgart bei dieser Zukunftstechnologie vorne mit dabei ist und bietet jedes Jahr wieder die Möglichkeit, sich neu und international zu vernetzen sowie bestehende Kontakte zu vertiefen.“ Bernd Reuter, stellvertretender Leiter des Referats Klimaschutz, Energie, Geothermie im Umweltministerium Baden-Württemberg, betont die zunehmende Bedeutung des Thema: “Steigende Energiepreise und die aktuelle Klimaschutzdiskussion machen deutlich, dass innovative Energietechnolgien in Zukunft einen enormen Stellenwert gewinnen werden.“ Baden-Württemberg sehe in der Brennstoffzelle einen wichtigen Baustein für eine zukunftsfähige Energieversorgung. Die Technologie biete die Möglichkeit einer hocheffizienten Umwandlung erneuerbarer Energieträger in Strom sowohl im stationären wie im mobilen Sektor.

Internationale Zusammenarbeit wichtig

Auch John Tak, Präsident und Geschäftsführer des kanadischen Verbandes Hydrogen & Fuel Cells Canada, setzt auf internationale Zusammenarbeit: „Die Welt schaut sehr genau auf die negativen Auswirkungen des Klimawandels. In diesem Zusammenhang rückt die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie ins Zentrum einer Suche nach nachhaltigen Energiealternativen. Doch für die effiziente Entwicklung dieser Technologien brauchen wir nicht nur eine hohe Sensibilität für Umweltfragen, sondern vor allem auch eine gute internationale Zusammenarbeit. Veranstaltungen wie die ‘f-cell’ bieten ein wichtiges Forum, um die neuesten Entwicklungen der Wasserstoff- und Brennstoffzellenwirtschaft zu diskutieren.“

Nationales Innovationsprogramm Wasserstoff und Brennstoffzelle (NIP)

Auch die Bundesregierung baue auf Wasserstoff als zukünftigen Kraftstoff und die Brennstoffzelle als Effizienztechnologie mit besonders hohem Wirkungsgrad, erklärt Dr. Klaus Bonhoff von der NOW – Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie in Berlin, die die Aktivitäten koordiniert. „Gemeinsam mit Industrie und Wissenschaft schuf die Bundesregierung das ‘Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie’ (NIP), um diese Zukunftstechnik mit verstärkten Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsaktivitäten deutlich zu beschleunigen und so die bestehende deutsche Marktführerschaft auf diesem Gebiet auszubauen“, sagt Bonhoff. „Im Rahmen des NIP sind für die kommenden zehn Jahre zusätzliche 500 Millionen Euro zur Förderung dieser Technologie vorgesehen. Rechnet man laufende Förderung und komplementäre Mittel aus der Industrie und von Anwendern dazu, stehen im Zeitraum von 2006 bis 2015 insgesamt bis zu 1,4 Milliarden Euro zur Verfügung. Hinzu kommen noch Mittel zur Grundlagenforschung und institutionellen Förderung von Großforschungseinrichtungen auf diesem Gebiet.“ Deutschland sei mit seinem Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff und Brennstoffzellentechnologie (NIP) wegweisend in Europa, so Bonhoff.

Brennstoffzellen-Autos nah an der Marktreife

Die Industrie betreibt die Weiterentwicklung der umweltfreundlichen Technologie maßgeblich mit. Dr. Christian Mohrdieck, Leiter Entwicklung Brennstoffzellenantrieb bei DaimlerChrysler erklärt: „Die Brennstoffzelle hat das größte Potenzial, wenn es um emissionfreies Fahren geht. Deshalb ist diese Technologie ein fester Bestandteil unserer Antriebsstrategie.“ Damit bis spätestens 2015 die ersten marktreifen Produkte auf den Straßen unterwegs sein könnten, müsse allerdings auch eine adäquate Wasserstoff-Infrastruktur verfügbar sein. „Wir gehen den Aufbau eines entsprechenden Tankstellennetzes daher schon heute gemeinsam mit anderen Automobilherstellern, den Energiefirmen, der Politik und den zuständigen Behörden an,” berichtet er.

Ehrgeizige Ziele in Japan

Akiteru Maruta, Projektmanager des Bereichs Forschung & Entwicklung beim japanischen Beratungsunternehmen Technova in Tokio berichtet über ehrgeizige Brennstoffzellen-Ziele in Japan: „Die Regierung möchte bis 2010 50.000 Brennstoffzellen-Autos und bis 2020 sogar fünf Millionen solcher Wagen auf den Straßen haben. Im stationären Bereich sollen bis 2010 2,1 Gigawatt aus Polymerelektrolytmembran-Brennstoffzellen (PEFC) kommen und bis 2020 dann zehn Gigawatt.“ Die nächsten fünf Jahre würden entscheiden, ob das langfristige Ziel zu erreichen sei, so Maruta: „Wir befinden uns an einem kritischen Punkt.“

Messe mit Fahr- und Flugzeugen

Bereits vor der Tür des Stuttgarter Hauses der Wirtschaft macht eine Mercedes-Benz-A-Klasse F-Cell mit Probefahrten auf den diesjährigen Schwerpunkt der Veranstaltung aufmerksam. Und auf Standflächen von insgesamt knapp 400 Quadratmetern fallen zuerst die Fahr- und Flugzeuge ins Auge. Die neue B-Klasse F-Cell, der Nachfolger der A-Klasse, ist als Schnittmodell zu sehen und erlaubt Einblicke in ihr Innenleben. Außerdem ziehen zwei brennstoffzellenbetriebene Experimental-Fahrzeuge des Chemnitzer Uni-Teams „Fortis Saxonia“ sowie der Fachhochschule Offenburg das Publikum an. Die Universität Stuttgart zeigt ein großes Modell ihres ehrgeizigen Flugzeugbau-Projektes „Hydrogenius“. Das unbemannte Flugzeug „HyFish“ absolvierte bereits seinen Jungfernflug und ist im Original am Stand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zu sehen. Das Angebot weckt das Interesse einer breiten Öffentlichkeit: Zahlreiche Besucher registrierten sich schon vorab auf der Homepage für den kostenlosen Messebesuch. Die Fachleute schätzen vor allem die Angebotsbreite der Messe, auf der Aussteller aus Deutschland, Finnland, Österreich, der Schweiz und Kanada Produktneuheiten sowie aktuelle Forschungs- und Testergebnisse vorstellen, Geräte zur Hausenergieversorgung oder Wasserstofferzeugung präsentieren und Komponenten sowie Lehrmaterialien anbieten.

„f-cell“ Award

Festlicher Höhepunkt der „f-cell“: Die Verleihung der „f-cell“ Awards, die die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) gemeinsam mit dem Umweltministerium Baden-Württemberg und der DaimlerChrysler AG für anwendungsnahe Entwicklungen aus dem Innovationsfeld Brennstoffzelle vergibt. 2007 geht der mit 12.000 Euro verbundene Award in Gold an die NuCellSys GmbH aus Kirchheim/Teck für den zuverlässigen Gefrierstart eines Brennstoffzellensystems für den PKW-Einsatz. Den silbernen Preis und eine Preisgeld von 7.000 Euro erhält die Truma Gerätetechnik GmbH & Co. KG aus Putzbrunn für ihr Brennstoffzellensystem VeGA, einer Bordstromversorgung für Freizeitfahrzeuge. Die Ulmer Brennstoffzellen-Manufaktur GmbH wird für ihre „Ulmer Stromschachtel“ mit dem bronzenen Award ausgezeichnet, der mit 3.000 Euro dotiert ist. Jeweils 1.500 Euro und einen Sonderpreis vergab die Jury an die Fachhochschule Offenburg für Entwicklung und Bau einer DirektEthanol-Brennstoffzelle sowie deren Einsatz in einem Fahrzeug. Die Universität Stuttgart und die Fachhochschule Esslingen freuen sich ebenfalls über einen Sonderpreis. Sie entwickelten eine elektrochemische Rasterkraftmikroskopie-Methode für die Untersuchung der Leitfähigkeit von Polymerelektrolyt-Membranen.

Begleitseminare für Lehrer und Feuerwehrleute

Eine Branche an der Schwelle zum Markteintritt wird zunehmend auch für Fachleute aus anderen Gebieten interessant: „Die Knallgasreaktion zwischen Wasserstoff und Sauerstoff kennen viele aus dem Chemieunterricht“, sagt Peter Sauber, Geschäftsführer der Peter Sauber Agentur Messen und Kongresse GmbH. „Heute sollten Lehrer ihren Schülern aber auch erklären können, wie die Brennstoffzelle diesen Vorgang kontrolliert ablaufen lässt und damit Strom und Wärme gewinnt.“ Ein Lehrerseminar gehört daher zum festen Bestandteil der „f-cell“. Eine Veranstaltung speziell für Feuerwehrleute soll diese mit den Besonderheiten neuer brennstoffzellenbetriebener Produkte vertraut machen. Aber auch Finanzexperten spricht Sauber an: „Inzwischen sind die Entwicklungsrisiken überschaubar geworden und die Rahmenbedingungen geben der Technik Vorschub. Brennstoffzellen-Unternehmen ziehen daher Anleger an.“